Montag, 3. Dezember 2007

Weihnachten!

Immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit hier so vergeht. Am 18.12. jette ich ja mal für ein paar Wochen heim, und dann ist schon fast die Hälfte wieder rum. Und da ist das ja schon extra ein ganzes Jahr...
Jetzt wird hier natürlich sogar im Wohnheim der Weihnachtskitsch rausgeholt, und das hinterlässt dann doch gemischt Gefühle. Es sieht halt so aus, dass sie Weihnachten auch dieses Jahr nicht vergessen haben, aber mehr halt auch nicht. Ist ja immer gut gemeint, aber mit aggressive blinkenden Weihnachtsbäumen kann ich mich halt nicht anfreunden. Aber ich habe von meiner Mutti einen Stollen bekommen, womit hier ja alles gut wird. Am ersten Advent haben wir den natürlich feierlich gekostet - allerdings nach einer richtig guten persischen Völlerei. Es gab eine Hühnchen-Reis-Jogurt-Kombination, die richtig edel war. Und auch spektakulärer war, als die drei Hauptzutaten erahnen lassen.
Dann geht es jetzt mir meinem Projekt richtig los und ich habe die ersten DSC-Messungen durchgeführt. Und da die nächste Woche schon fast alle Vorlesungen vorbei sind, kann ich wohl gleich eine Laborwoche draus machen...
Und was ich schon immer mal sagen wollte: Die Briten scheinen keine Mischbatterien für ihre normale Wasserversorgung zu kennen. Bevorzugt hat man dann ein Waschbecken, wo dann möglichst weit auseinander zwei Hähne rumstehen. Super, entweder Verbrühen und oder richtig kalt. Echt toll, wie man sich an die Mischbatterien gewöhnt hat - und wie einfach man das Leben doch erleichtern kann. Von "Früher" kenn ich das ja auch - aber dann bitte mit gemeinsamen Hahn. Aber selbst das ist nicht drin. Aber positiv denken: Ist doch schön, wie einem diese Kleinigkeiten vom richtigen Elend anderswo ablenken.

Sonntag, 25. November 2007

Birmingham und so

Nach den letzten sehr entspannen Wochenenden in Manchester, habe ich nun doch endlich mal wieder die Stadt verlassen. Diesmal hab ich Christian in Birmingham besucht und wir wurden dafür gleich mit allen Regenarten belohnt, die Großbritannien so bieten kann. Dadurch wurde der Eindruck natürlich etwas verfälscht, aber die Stadt macht schon einen recht schicken Eindruck. Die Städteplanung ist hier natürlich immer etwas wirr, aber es gibt sehr schöne Ecken, die ich aber wegen des Regens auch nicht fotografiert habe. Das hätte das auch nur entstellt. Richtig negativ eindrucksvoll war ein sehr schöner und historischer Marktplatz, an dessen einem Ende zwei richtig massive Plattenbauten geknallt wurden. Da finde ich vielleicht mal noch Sonnenbilder. Ansonsten gibt es auch noch ein großes Kanalsystem, an dessen Ufer sich viele schicke Pubs befinden. Nach einer Runde durchs Stadtzentrum und über dem Campus (im Regen natürlich) mit einer netten Kaffeepause, sind wir dann nach einer Runde Chile con Carne noch durch die Stadt gezogen. Und es war wohl eine Spezialbierkneipe, da wir dort Sachen wie Honey Bunny, Voodoo Beer und Hobgoblin getrunken haben. Klangen alle sehr spektakulär, ließen sich aber alle gut zwischen Guiness und Carlsberg einordnen. Also alles in allem auch eine nette englische Stadt, in der man sich auch gut austoben kann.

Meine Wochenenden hab ich meist mit Badminton verbracht, da jeden Sonntag die Entscheidung zwischen Wandern und Badminton ansteht. Bei dem Wetter und meinem aktuellem Spaß am Badminton, ging das aber immer für Badminton aus. Wenn alles nach Plan geht, werde ich jetzt wohl auch noch das ein oder andere mal gegen ein paar Freunden spielen können und kriege vielleicht irgendwann die Kurve zum Badminton Squad.
Die Projektarbeit nimmt auch weiter Gestalt an und nächste Woche gibt es dann die ersten praktischen Tests und Einführungen. Von daher ist daher ist noch nichts spektakuläres passiert.
Die Regulären Vorlesungen plätschern so dahin, aber werden teilweise jetzt richtig spannend, da die Hochleistungswebstühle doch teilweise richtig fesche Ideen verwenden. Naja, und an sich ist das Semester hier ja gleich vorbei. Am 15.12. ist wohl die letzte Vorlesung, und dann sind schon wieder 14 Wochen um. Im nächsten Semester werde ich mich dann aber wohl wieder mehr um die Werkstoffwissenschaft und Englisch kümmern, aber da muss ich noch ein bisschen recherchieren.
Ach und in Manchester gibt es ja eine sehr berühmte Curry Mile, wo alle möglichen indischen und pakistanischen Köstlichkeiten gibt. Nachdem ich jetzt die Schärfeskala 3 von 4 noch mit vertretbaren Schmerzen genießen konnte, ist es jetzt bald Zeit die Limits auszuloten.


Birmingham 2007-11-24 (feuchte Beweisbilder)

Freitag, 2. November 2007

Studium und so

Die Reading Week ist fast vorbei und ich wollte ja mal erläutern, was ich hier eigentlich mache... Durch ein paar schräge Sachen, hatte ich mich ja letztendlich bei Manchester beworben und wurde hier dann als Textiltechniker eingeschleust. Damit tobe ich mich jetzt im Undergraduate Programm Textile Science and Technology, was der Textiltechnik entspricht. Das Undergraduate Programm geht hier drei Jahre und ich habe mir von jedem Jahr was feines rausgesucht, aber meist bewege ich mich im zweiten Jahr. Ich habe jetzt Vorlesungen wie Weben, Stricken, Faserkunde (Fibre Science klingt aber besser) und Textilprüfung. Da ich vorher überhaupt keinen Plan von den Textilen hatte, war das ein ordentlicher Kaltstart im zweiten Jahr, aber mittlerweile flutscht das auch ganz gut.
Bevor sich da Routine einstellt, habe ich mich jetzt noch um eine Projektarbeit beworben... Das ist hier üblich für die Studenten im dritten Jahr und läuft in Teilzeit über das gesamte Jahr, wobei der offizielle Umfang um die 400 Arbeitsstunden ist. Ich habe hier einen Professor mit freien Projekten gefunden und werde mich jetzt mit den physikalischen Eigenschaften von Haaren beschäftigen. Die Wendung zu den Haaren kam für mich ziemlich überraschend, aber nach den ersten Recherchen haben die auch sehr interessante Eigenschaften. So werden die Haare regelmäßig als einen sehr komplexen nanoskaligen Verbundwerkstoff gefeiert. Selbst das Wachstum ist schon spannend, da man das Gesamtzusammenspiel schon als selbstorganisierend bezeichnen kann. Für die Insider: Konkret werde ich mich mit der Glastemperatur der Haare in Abhängigkeit des Wassergehalts beschäftigen. Gemessen wird das ganze per DSC (Differential-Scanning-Calorimetry) und somit ist die Analytik doch ein klassischer Teil der Werkstoffwissenschaft. Das ist nämlich extrem wichtig für die Dauerwelle (!) und ähnliche Stylingsachen. Die fachliche Beschäftigung sollte daher sicher gestellt sein.

Vom Studienumfeld ist das hier recht angenehm und doch sehr ähnlich im Vergleich zu Dresden. Ich war ja anfangs sehr gespannt ob dieser Eliteuni (Top25 Weltweit) und hatte schon Angst um meinen ausgedehnten Schlaf. Aber sie kochen hier halt auch mit Wasser und bei den Undergraduates ist das alles noch ganz human für meine Verhältnisse. Bei den Ingenieurwissenschaften ist die Welt also nach wie vor in Ordnung. Aus der BWL- und Politiksparte würde man hier sicherlich einen großen Sprung nach vorn machen, aber bei mir hat sich da also nicht viel geändert. Prinzipiell ist das hier aber das größte Werkstoffinstitut Europas und wohl die Uni mit der längsten Textiltradition. Die Jahrgangsgröße ist hier trotzdem recht übersichtlich. 1. Jahr: 250, 2. Jahr: 10, 3. Jahr: 4 - Im ersten Jahr haben hier noch die meisten textilnahen Studiengänge zusammen, aber im zweiten Jahr sitze ich nur in den richtig technischen Vorlesungen, wo der Andrang doch stark nachlässt. Science und Technology ist hier also auch nicht so begehrt, sondern die Leute machen mehr Mode Management und dergleichen, was hier auch angeboten wird. Für mein Englisch spreche ich gerade aber mehr mit meinem Wohnheimmitbewohnern und Sprachtandems, da an der Uni auch kein Oxfordenglisch gesprochen wird. Im 2. Jahr sind 2 Briten dabei und im 3. Jahr ist es nur noch eine Britin. Die Dozenten kommen auch eher aus Fernost, aber mittlerweile verstehe ich sie alle.

Montag, 22. Oktober 2007

Ingleton - Wandern

Nach dem letzten Wochenende mit dem speziellem Stadtausflug, habe ich es diesmal wieder mit mehr Natur versucht. Ich war wieder mit dem Hiking Club wandern und wir haben uns diesmal in Ingleton ausgetobt. Das ist nicht ganz so weit im Norden wie der Lake District, aber dünn besiedelt ist es immerhin schon. Hier ist das ganze etwas kalkiger, wodurch es hier viele Karsterscheinungen gibt. Es gibt hier auch einen Club für Höhlenerkundungen, die sich hier auch sehr gerne rumtreiben. Diesmal wollte ich es wissen, und habe mich für die sportliches Gruppe mit geplanten 25 km und 1000 Höhenmetern entschieden, aber da wir zu langsam waren, mussten wir den zweiten Gipfel dann doch auslassen und haben ein paar Höhenmeter gespart. Ansonsten gibt's wieder ganz viele Bilder.

Ingleton, Hiking


Zur Uni schreibe ich nächste Woche hoffentlich auch was, da hier dann die Reading Week ist. Theoretisch kann man da alles Zeug angucken, was man die letzten 6 Wochen nie geschafft hat.. Wie auch immer - diejenigen, die ich bisher gefragt habe, fahren einfach nur Heim. Ansonsten gibt es noch eine neue Perspektive: Ich bin in Verhandlungen mit einem Professor und werde ich hier wohl eine Projektarbeit schreiben. Damit hätte ich hier noch was richtig fetziges zu tun und könnte das wohl auch für mein Diplom verwenden.

Montag, 15. Oktober 2007

Blackpool

Ojeoje, irgendwann musste es ja mal passieren: Ich bin in einer Touristenfalle gelandet... Ich hab einfach nur gehört, dass 6 Millionen Briten pro Jahr nach Blackpool düsen und habe mir gedacht, dass es dann bestimmt ganz nett dort ist. Weit gefehlt - das Nest war ein Schuss in den Ofen. Am besten kann man es wohl mit einem vermodertem Disneyland vergleichen. Man hat hier erstmal einen sehr großen Freizeitpark und der Rest ist auch in diese Stil gehalten. Eigentlich sollte es ein See-Ausflugsort sein, aber das heißt hier nur, dass man das Meer sehen kann. Mehr ist da nicht vorgesehen. Damit hat man eine Betonpromenade mit billigsten Vergnügungsmöglichkeiten und ein drei baufälligen Piers. Als Rettung habe ich dann ein Sea Life Center entdeckt, was aber auch recht übel war. Für 15 € habe ich da eine sensationsgeile Aquarienlandschaft kennen lernen dürfen. Meiner Meinung nach sehr überbevölkert und alle 10 Meter gab es eine Hinweistafel über besondere Haifähigkeiten. Das ganze war natürlich abwechselnd im Piraten- und Tropenstil gehalten. Und dazu grausame laute Musik. Als weiteren Höhepunkt sollte es noch die Blackpool Illuminations geben - da sollte theoretisch die ganze Stadt voll toll beleutet sein. Praktisch ist es aber nur ein paar Kilometer langer Straßenzug, an dem die alles rausgestellt und an die Masten gehangen haben, was irgendwie leuchten kann. Also geschmacklos, billig und recht klein. Ich hoffe, dass ich ihr beim Angucken der Fotos das Leiden nachempfinden könnt... Also dann geh ich mal noch ein bisschen Joggen, um dieses Elend vom Wochenende zu verarbeiten. Ansonsten geht's mir aber gut und ich hab hier schon ein paar Leute zum kochen erlesener Sachen am Wochenende gefunden.

Blackpool

Mittwoch, 10. Oktober 2007

York

Da das Wochenende ja zwei Tage hat, bin ich am Sonntag auch noch nach York gefahren. Das ist ist eine recht verträumt Stadt, an der die letzten hundert Jahre recht spurlos vorbeigegangen sind. Dann gibt's natürlich auch ganz viele Kirchen. Eine Kathedrale davon ist Yorks Minster und eine der größten Europas. Die wurde erstaunlicher Weise schon 1472 nach 250 Jahren fertig gestellt und ist wahrlich gigantisch. Daher hab ich natürlich auch gleich ganz viele Fotos gemacht. Und auch nach exzessivem Löschen ist ziemlich viel zum Klicken übrig geblieben... Die Abmaße der historischen Altstadt sind recht kompakt, wodurch man gant entspannt rumschlendern kann und auch ein Kaffee möglich ist, ohne dass man was verpasst. Die Stadtmauer ist auch zum überwiegendem Teil erhalten und ich habe natürlich jedes einzelne Stück abgelaufen.

York

Dienstag, 9. Oktober 2007

Caenarfon & Penrhyn Castle

Den letzten Samstag habe ich zwei schicken Burgen gewidmet und ich war schwer beindruckt. Ok, in Deutschland haben wir auch jede Menge schicke Ruinen, aber die Huette von Lord Penrhyn ist schon ziemlich fetzig.

Station Nummer eins war Caernarfon in Nordwales, welches bereits 1283 gebaut wurde und die Waliser vor sich selbst und gegen andere schuetzen sollte. Der erste Waliser Prinz wurde hier gekroent und auch der aktuelle Prinz Charles wurde hier 1969 mit gewaltigem Aufwand zum Prinzen ernannt. Da wurde die Ruine wieder ordentlich restauriert und jetzt kann man auf fast allen Mauern rumklettern und unheimlich viele Fotos machen. Das ist also noch eine richtige Burg zum verteidigen, waehrend das Schloss von Lord Penrhyn nur wie eine aussieht, in wirklichkeit aber eine extrem noble Schloss auf dem Lande ist.

Caenarforn


Nach der recht "normalen" Ruine sind wir zum Schloss von Lord Penrhyn gefahren, der mit dem Bau 1826 begonnen hatte. Damit diente es also nur noch Repraesentativen Zwecken - und diesen Dienst erfuellt es sehr gut. Das Gebaeude ist voll in Schuss und wird als Museum genutzt, da so ziemlich jeder Raum mit historischen Mobiliar gefuellt ist. Vermutlich mussten sie nur ein paar Besucherleitschilder setzen und dann ging es los. Derweil restaurieren sie teilweise die Innenraeume und es sicht sehr abgehoben aus. Drinnen durften wir leider keine Fotos machen, wodurch eben mehr Bilder von aussen gemacht habe. Die Innenraeume sind klassisch ueberladen mit vielen geschnitzten Moebeln, gemalten Tapeten und Stuck soweit das Auge reicht. Und ich habe auch selten so aufwaendig und filigran gefertige Buntglasfenster gesehen. Des weiteren gab es noch jeweils ein kleines Dampfmaschinenmuseum, ein Puppenmuseum, ein Sklavereimuseum und ein Eisenbahnmuseum. Ach und was Wetter war natuerlich wieder grossartig.

Penrhyn Castle